Liebe frühere Gäste, die weiblichen
und die männlichen,
im Jahre 1970 hatte der Unterzeichner die Gaststätten-Konzession für
die Schumannklause in Bonn durch das Ordnungsamt, namentlich von dessen
Leiter,dem dazumal berüchtigten Hermann Schumacher, erhalten. Nun gut,
35 Jahre ist kein „rundes Jubiläum“, wie Helmut Lölhöffel kürzlich zu
Recht feststellte. Aber: Gastronomen, die diesen Schankerlaubnis-Schein
seit 35 Jahren in Händen haben, würden ihm, Helmut, antworten, dass
einerseits in diesem Gewerbe jedes Jahr doppelt zählt und deshalb
andererseits jedermann froh sein kann, allein schon diese 35 Jahre
überhaupt überlebt zu haben. Unabhängig davon gibt es gute und viele
Gründe, nicht unbedingt auf eine „runde Zahl“ zu warten. So manche
Wiedersehensfeier in der letzten Zeit hat den einen oder anderen der
früheren Gäste doch schon fragen lassen, wer denn „die/der Graue da
hinten“ sei...
Im Jahre 2020 also, wenn demnach das Fünfzigjährige anstünde...
Nein! Bevor ich das weiter ausführe- was sich jetzt jede intakte
Klausen-Phantasie ausmalen kann-und auch ohne die Zynismus-Klassiker
wie „die Einschüsse kommen näher“ oder „lebt dä Karl noch?“ immer
wieder zu bemühen, hat der Unterzeichner einen ganz persönlichen Grund:
es häufen sich in der StäV in Berlin Besuche junger Leute, die ihn von
ihrem Papa grüßen sollen, der sei nämlich früher Stammgast in der
„Schumannklause“ gewesen...
Das reicht allmählich. Rundes Jubiläum hin, krumme Zahl her. Er hat
sich mit Bernd Spitzkatz zusammengesetzt. Gemeinsam haben wir uns
vorgenommen, noch in diesem Jahr ein von mir großmäulig so genanntes
Schumann-Klausen-Revival-Festival
stattfinden zu lassen. Gemeinsam haben wir Ideen gelutscht. Bernd war
lange genug Stammgast und Bernd hat nicht nur gleichsam das
umfangreichste photographische Archiv der Klause, sondern Bernd ist
auch nach wie vor in dieser Eigenschaft tätig ( nebenbei gesagt hat zum
Ambiente mancher StäV sein Archiv großartig beigetragen). Und: Bernd
war angetan von der Gesamt-Idee, sein photographisches Auge am
kommenden Wiedersehen erneut auf uns zu richten, um unsere heutige mit
der damaligen Befindlichkeit zu mischen, zu vergleichen und zu
verorten.
Schließlich hat die Klause nur ihre Konzession zurückgegeben, aber sie
ist niemals für immer zugeschlossen worden. Das erlebt jeder jederzeit,
wenn er „eine/n aus der Klause“ trifft. Diese Zwischen-Zeit jedes
einzelnen seit der Rückgabe bis heute, verdient es, am Abend des 29.
Oktober erzählt und erfahren zu werden (der Nachwuchs würde das
„SMK-Transitorium kommunizieren“ nennen...)
Die Klause war schließlich schon einmal Gegenstand einer umfangreichen
Publikation. Warum also nicht eine neue, erweiterte Auflage? Besser
noch: Ganz was anderes, aber trotzdem „Klause“? Mit ganz anderer
Zielsetzung und Methode-auch heutiger anderer technischer Methode?
Material, so überlegten wir, ist genug vorhanden, schlummert zuhauf
noch in einzelnen Kisten, Kasten & Köpfen, neues wird
...siehe oben...
Schon damals schrieb neben vielen anderen Helmut L. hinreißende Texte
im Schumann-Klausen - Buch von 19....Warum nicht heute wieder? Wann und
in welcher Zeit und in welchem Umfang mit welchem Ziel sind nachrangige
Fragen. Wichtig ist, dass einer professionell publizieren kann und
weiß, was wir meinen, wie es umgesetzt und wie das finanziert werden
könnte. Und den gibt es auch vielleicht. Auch er, Wolfgang Henrich,
gehörte zeitweise zum Klausen-Lebendinventar. Er hat den
„Urheber-Verlag“. Er ist, nachdenklich-optimistisch vorausschauend,
heftig überlegend.
Wie sollte die Reihenfolge sein? Wo anfangen? Erst alles überlegen und
dann beschließen?
Natürlich nicht! Erst und endgültig einen Tag festlegen, der möglichst
vielen passen könnte und aus oben schon erwähnten Gründen bald
stattfinden sollte. Dann läuft vieles von allein.
Bei Babsis (Barbara Masuhr) Trauerfeier kürzlich in Bonn wurde der
Termin festgelegt:
wir treffen uns am
29. Oktober 2005
abends ab sieben im Hoppegarten bei Jupp Sieben.
Der Laden ist für uns reserviert und freigehalten. Bei etwa 15o Leuten,
sagt Jupp, ist er voll.
Nun folgt das übliche:
-Termin vormerken,
-demnächst ins Internet gehen,
-Erkundigungen einholen,
-Freunde benachrichtigen,
-Adressen weitergeben,
-Adresse austauschen
-Erinnerungen herauskramen,
-aus Gedächtnis Kisten & Kartons,
-Vorschläge machen,
-über Vorschläge anderer meckern,
-überhaupt immer meckern,
-erst zu-,dann absagen,
-kluge Fragen stellen,
-blöde Fragen stellen,
-Geschichten notieren,
-sie auch weitergeben,
-nach Vermissten forschen,
-Dementis formulieren,
-alte Photos suchen,
-hin und her telefonieren,
-hinterhertelefonieren,
-Kostenvoranschläge verlangen,
-über Preise schimpfen,
-nach Unterkünften fragen,
-Termin unpassend finden,
-„hoffentlich kommt die/der nicht“ - Gedanken-machen
-von Veteranentreffen spotten,
-über das Reaktionäre im Deutschen schlechthin mosern,
-sich zu wichtig nehmen, daher verweigern,
-sich nicht wichtig nehmen, daher absagen,
-darf/kann/will/muß jeder alles erfahren,
-usw. und so fort, jeder spinne für sich weiter.
Aber für alle diese Fragen und Problemchen habe ich
die Internet-Adresse
www.schumann-klause-bonn.de
gesichert. Die homepage soll in Kürze eingerichtet werden.
Darüber und per e-mail können wir uns dann vernetzen&austauschen.
Einige Anschriften habe ich bereits. Die schreibe ich hiermit also an.
Der Einfachheit halber können bis auf weiteres die Kontakte über meine
geschäftliche e-mail laufen, bis bessere gefunden und sinnvoller
werden.
Soviel für heute.
Einverstanden?
Bernd würde sagen: alles roger?
Na denn! Schickt mir Eure(korrigierte) und anderer Anschriften, bitte!
Euer
(Traudi/Friedel/Friedhelm) Berlin, am
PS.:Für die Moserer: das bisherige Echo: ausnahmslos Vorfreude bis
Begeisterung +
PS 2.: Wer angeschrieben, aber nie in der Klause war, möge diesen
Irrtum ggfs, auch kommentieren.
Wo Ulrich Wickert auf dem Tresen die Hosen
herunterließ
und Friedrich Merz "einen kleinen Bürgerkrieg anzetteln wollte"
Von Burkhard Muschner
Presseamt der Stadt Bonn/Überregionaler Informationsdienst / 27.
Oktober 2005
BERICHT AUS BONN
Termin: Samstag, 29. Oktober, ab 19 Uhr, Revival im Hoppegarten
ib Bonn/Berlin - Samstag wird in Bonn eine Kneipenlegende lebendig.
Vor 35
Jahren erhielt der Bonn/Berliner Polit- und Prominentenwirt Friedel
Drautzburg vom städtischen Ordnungsamt die Schankerlaubnis für die
Schumann-Klause. SMK war von 1970 bis 1984 gastronomische Hauskapelle
der
Linken, Studenten, Jungpolitiker oder der braven Bürgertöchter oder
-söhne,
die sich den leicht verruchten Hauch von Revolution um die Nase wehen
lassen
wollten.
Für den 29. Oktober hat "Friedel Gastro" seine Schumannianer in den
Poppelsdorfer Hoppegarten eingeladen, zum "Revival der Ergrauten", die
einem, so schreibt Helmut Löhlöffel, Autor von "Das Buchs zur Kneipe",
heute
noch in der "Laterne" im "Südbahnhof" an der Ermekeilstraße oder ab und
an
in Berlin rund um die "Ständige Vertretung" am Bahnhof Friedrichstraße
über
den Weg laufen.
Bonns Schumann-Klause an der Ecke Schumann-/Weberstraße, war in den
"wilden"
70er Jahren der Treffpunkt vieler, die die Welt verbessern wollten.
Helmut
Löhlöffel, Bonn-Berliner Polit-Journalist (Kölner Stadt-Anzeiger,
Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung), heute Pressesprecher der
Berliner Justizsenators, beschreibt die bewegten Zeiten der legendären
Linken-Pinte in der Nachbarschaft des früheren Bundesarbeitsministers
Norbert Blüm. Hier tanzte, erinnern sich Löhlöffel und Friedel
Drautzburg
Deutschlands beliebtester Nachrichtenmann, Ulrich Wickert, auf dem
Tresen
und ließ dabei die Hosen herunter. Benny Quick gab seinen Hit
"Motorbiene"
zum besten, die Mittelrheinische Flippermeisterschaft entstand und im
Hinterzimmer wurden Demonstrationen geplant. Und vor der Tür kochte der
politische Gegner. So gestand Friedrich Merz bereits 2001 der "Jungle
World"
in einem Interview: "Wir sind abends immer an der Schumann-Klause mit
erhobener Faust vorbeigezogen und haben schon überlegt, dass wir da mal
reinmarschieren und einen kleinen Bürgerkrieg mit denen anzetteln." Der
Bürgerkrieg fiel aus - wohl auch, weil die erhobene Faust das falsche
Symbol
für Konservative war - und Merz machte als Schumannianer von außen
ebenso
Karriere, wie Engholm, Scharping und Wickert, um nur wenige bekennende
Schumannianer von innen zu nennen.
"Freiheit für Grönland"
Die quadratischen Kacheln der SMK-Toiletten wurden, wie Löhlöffels Buch
zu
entnehmen ist, zum Poesiealbum seiner Zeit, eine Sprüche-Sammlung der
besonderen Art, für zarte Gemüter gelegentlich auch eine Zumutung.
"Schwerter zu Zapfhähnen - Trinken für den Frieden", "Stell Dir vor, es
ist
Krieg und keiner geht hin", "Freiheit für Grönland" oder "Nieder mit
dem
Packeis" waren die der harmlosen Sorte. Im Hinterzimmer, so erinnert
sich
Heinz Dietl im Boulevard des General-Anzeigers, hing Klaus Staecks
hintersinniger Plakat-Spruch: "Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen
im
Tessin wegnehmen." Damals ahnte noch niemand, welche Anziehungskräfte
solche
nicht gerade als Armenviertel verschrieenen "Wohnzimmer" später auf die
bürgerlich gewendete Alt-Linke hatten. Und auch in der Kneipe selbst
gab es
gelegentlich Mangel an Solidarität mit der arbeitenden Bevölkerung -
zumindest wenn der Hunger groß war. Im Gästebuch findet man den Eintrag
eines gewissen Ralf vom 3. November 1971: "Die Privatgespräche der
Bedienung
haben zu Gunsten der Aufnahme von Bestellungen aufzuhören." Die wusste
sich
zu wehren: "Kellner Leo bewirft Gäste mit harten Gegenständen" war im
Kölner
Stadtanzeiger zu lesen. Auch die Klause selbst erlebte ihre inneren
Krisen.
So drohte im November 1971 sogar ein Preiskrieg um Mettbrötchen:
"Angesichts
der Tatsache, dass die Lebenshaltungskosten ständig steigen, sehen wir
uns
außerstande, den Preis von DM -,80 für ein einfaches, halbes
Mettschnittchen, lediglich mit Zwiebeln garniert, zu zahlen. In der
Hoffnung
auf eine sozialere Regelung verbleiben mit sozialistischem Gruß",
Unterschriftenliste. Nicht überliefert ist, wie der Preiskampf ums
Mettbrötchen ausgegangen ist.
Im neuen SKM-Web steht wann die echte Revolution beginnt
Bereits heute erscheinen nostalgische Zeilen zahlreicher Ehemaligen auf
der
neuen Webseite Schumann-Klause-Bonn.de. Bonns Oberbürgermeisterin
Bärbel
Dieckmann, eher selten Gast im SMK, erinnert sich:
"Kaltes Kölsch und heiße Diskussionen - das waren die wichtigsten
Angebote
auf dem Speisezettel. Wer reinging hatte Durst und wolle die Welt
verändern.
Wer rauskam hatte nicht selten einen über denselben getrunken, seine
eigenen
Rezepte zur lokalen und globalen Reform mit denen anderer notfalls bis
zur
Heiserkeit gemessen und sich mit den angenehmen Gefühl auf den Heimweg
gemacht, ein Stück vom großen Kuchen der 68er Weltreform mitgebacken zu
haben." Die Bonner OB, deren Behörde vor 35 Jahren die Schankerlaubnis
ausstellte, kommt zu dem Schluss: "In der Klause spielten wir
Revolution auf
Zeit, es hat uns gefallen und verändert, aber irgendwie sind wir
trotzdem
normal geblieben. Die Zeiten überdauert hat einzig der Anspruch: Das
Kölsch
muss wohltemperiert sein und sollte gut schmecken. Denn sonst beginnt
die
echte Revolution"
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